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Berlin ist "Hauptstadt der Autodiebe"

26.07.2021

In Berlin wurden 2020 nach absoluten Zahlen erneut die meisten Kraftwagendiebstähle registriert. In den 84 deutschen Großstädten lag die Veränderungsrate zwischen plus über 230 und minus fast 60 Prozent, wie aus der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik hervorgeht. Diese zeigt auch riesige Unterschiede bei der Aufklärungsquote, die je nach Großstadt zwischen über 90 und unter zehn Prozent liegt.

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland rund 23.650 Diebstahldelikte von Kraftwagen (inklusive unbefugter Ingebrauchnahme) amtlich registriert. Dies entspricht einem Rückgang um etwa 16 Prozent, wie der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS 2020) des Bundeskriminalamtes zu entnehmen ist.

Die Zahl lag damit erstmals in diesem Jahrtausend unter 24.000 gestohlenen Pkws, Lkws und sonstigen Kraftwagen. Zum Vergleich: Zwischen 2009 und 2011 wurden noch jeweils über 40.000, 2003 über 60.000 und im Jahr 2000 sogar über 80.000 Entwendungen erfasst.

In Berlin die meisten Delikte

Aus den aktuellen PKS-Daten geht auch hervor, dass es in den deutschen Großstädten mit 100.000 oder mehr Einwohnern gewaltige Unterschiede gibt. Nach absoluten Zahlen ist die Bundeshauptstadt Berlin mit annähernd 4.400 solcher Delikte Spitzenreiter. Dennoch ist die Diebstahlrate hier um 23,8 Prozent im Vergleich zum Jahr zuvor zurückgegangen. In Hamburg waren es etwa 1.300 Kraftwagendiebstähle – also rund dreieinhalb Kfz-Entwendungen pro Tag beziehungsweise ein solches Delikt fast alle sieben Stunden. Gegenüber 2019 lag der Rückgang bei minus 22,3 Prozent.

Etwas weniger Kfz-Diebstähle, nämlich jeweils unter 400, gab es in Köln und Leipzig. Für insgesamt neun der 84 aufgeführten Städte werden in der amtlichen Statistik weniger als 15 solcher Delikte im Jahr 2020 aufgeführt. An der Spitze liegt hier Reutlingen mit lediglich acht Kfz-Diebstählen. Dahinter folgen Gütersloh und Würzburg mit jeweils elf Delikten und Schwerin mit zwölf Fällen. Auffällig ist zudem, dass es in vielen Städten massive Veränderungen gab. So war die Anzahl der geklauten Kraftfahrzeuge in 54 der aufgelisteten Großstädte rückläufig.

Ein Minus von mindestens der Hälfte gab es in Oldenburg mit 21 statt bisher 52 derartigen Delikte, in Würzburg elf statt im Vorjahr 23 Kfz-Diebstähle und in Offenbach am Main 16 statt 32 Kraftwagenentwendungen. Andersherum wuchs die Zahl der polizeilich erfassten Kraftwagendiebstähle in Ulm mit über 230 Prozent am stärksten, nämlich von sechs auf 20 Fälle. Jeweils um die 40 Prozent betrug die Steigerung in Kiel (von 43 auf 61 Delikte), in Bremerhaven (von 44 auf 62 Delikte) und in Wiesbaden (von 45 auf 62 Delikte).

Berlin verbessert, aber weiter an der Spitze

In Relation zur Einwohnerzahl war im vergangenen Jahr ebenfalls Berlin die Hauptstadt der Autodiebe. Die Bundeshauptstadt behielt trotz einer deutlichen Verminderung von 158 auf unter 120 Delikte pro 100.000 Einwohner die unrühmliche Spitzenposition.

Platz zwei belegt nach einer vergleichsweisen leichten Abnahme von 96 auf unter 88 Kraftwagendiebstähle je 100.000 Einwohner Aachen. Magdeburg „kletterte“ dagegen nach einer zweistelligen Erhöhung von knapp 73 auf fast 86 derartige Delikte pro 100.000 Einwohner vom siebten auf den dritten Rang. Dahinter folgen Hamburg, Braunschweig, Leipzig und Halle (Saale) mit Kraftwagen-Klauraten zwischen 70 und 60 Fällen pro 100.000 Einwohner.

Mit jeweils über 50 polizeilich erfassten Delikten pro 100.000 Einwohner gab es auch in Wolfsburg, Bremerhaven und Mönchengladbach ein vergleichsweise hohes Verlustrisiko. Zum Vergleich: Im Bundesschnitt wurden letztes Jahr 28 entwendete Kraftwagen pro 100.000 Einwohner amtlich registriert. In 2019 waren es noch 34 derartige Delikte je Einwohner.

Ulm mit dem niedrigsten Diebstahlrisiko

In nur drei Großstädten lag die Klaurate pro 100.000 Einwohner unter zehn. Hierzu zählt erneut Reutlingen mit einer gefallenen Klaurate von knapp zehn in 2019 auf nicht ganz sieben Kraftwagendiebstähle je 100.000 Einwohner.

Auch in Heidelberg gab es eine ähnlich leichte Verminderung wie in Reutlingen, nämlich von elf auf acht Kfz-Diebstähle je 100.000 Einwohner. In Würzburg halbierte sich die Klaurate gegenüber dem Vorjahr, nämlich von 18 auf fast neun Kraftwagenentwendungen pro 100.000 Einwohner.

Ein geringes Risiko für Kraftwagendiebstähle bestand im vergangenen Jahr ferner in Augsburg, Fürth, Gütersloh, Koblenz, Erlangen, Ingolstadt, Remscheid und Nürnberg. Dort wurden zwischen jeweils zehn und zwölf Entwendungen pro 100.000 Einwohner statistisch erfasst.

Deutliche Unterschiede bei der Aufklärungsquote

Erfreulich ist, dass die polizeiliche Aufklärungsquote sich weiter verbessert hat. So stieg der Wert deutschlandweit von 25,8 Prozent in 2019 auf 33,8 Prozent in 2020. Auf Ebene der einzelnen Großstädte sind jedoch gewaltige Unterschiede zu beobachten.

Die niedrigsten Aufklärungsquoten hatten Hamburg mit 9,5 Prozent, Berlin mit 12,8 Prozent, Bottrop mit 14,3 Prozent und Mülheim an der Ruhr mit 14,8 Prozent.

Die meisten Kraftwagendiebstähle konnten dagegen in Fürth aufgeklärt werden – die Aufklärungsquote lag hier bei 92,9 Prozent. Die zweit- bis viertbesten Aufklärungsquoten hatten Erlangen mit 84,6 Prozent, Würzburg mit 81,8 Prozent und Regensburg mit 81,5 Prozent.

Finanzieller Schutz bei Kfz-Diebstahl

Wer für sein Auto eine Teilkasko-Versicherung abgeschlossen hat, bekommt bei einem Diebstahl des Fahrzeugs den Schaden ersetzt. Sie leistet unter anderem auch, wenn der Pkw bei Brand, Hagel, Sturm, Überschwemmung oder auch durch einen Zusammenstoß mit einem Haarwild beschädigt wird sowie bei Glasbruchschäden.

Ist ein Auto vollkaskoversichert, ist automatisch der Teilkaskoschutz miteingeschlossen. Die Vollkasko zahlt zudem für fahrlässig verursachte selbst verschuldete Kfz-Schäden sowie Schäden, die andere verursacht haben und nicht dafür aufkommen, beispielsweise im Falle einer Unfallflucht des Schadenverursachers. Bei Teilkaskoschäden erfolgt übrigens keine Schlechterstellung des Schadenfreiheitsrabatts in der Vollkasko-Versicherung.

Der Kaskoversicherer erstattet bei einem Kfz-Diebstahl in der Regel den Fahrzeugwert zum Zeitpunkt des Schadens (Marktwert). Einige Versicherer bieten für relativ neue Fahrzeuge für eine gewisse Zeit eine sogenannte Neupreis- oder auch Neuwertklausel an. Je nach Vereinbarung wird dann der Neuwert nach einem Totalschaden oder im Falle eines Diebstahls, welcher sich bis zu sechs, zwölf oder auch 24 Monate nach dem Kauf des Fahrzeugs ereignet hat, erstattet.

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